„Meine eigene Mutter liebt mich nicht."
Sich das wirklich als Tochter oder Sohn einzugestehen, ist fast unmöglich. Warum? Weil es so furchtbar weh tut. Und außerdem: Eine Mutter, die ihr Kind nicht liebt - das ist doch unmöglich, das kann doch gar nicht sein. Auch, weil unsere gesellschaftlichen Vorstellungen diese idealisierte Mutterliebe als etwas Heiliges gilt. Dabei wissen wir längst, dass das ein Mythos ist.
Als Biografin kenne ich derartige Schicksale, und ich weiß, das Leiden, diese Sehnsucht nach Mutterliebe hört selten auf. Und es kann unser Leben bestimmen.
Die Suche nach dieser nie gekannten Liebe bestimmte fast Heidi-Magdamena Hitschs ganzes Leben. Zum Glück nur FAST. Sie ist einen langen, steinigen Weg gegangen. Geholfen hat ihr HUMOR dabei, das beschreibt sie unten im Interview. In schwierige familiäre Verhältnisse hineingeboren, eine unglückliche Kindheit und Jugend waren vorprogrammiert. Ihrem Bauchgefühl ist sie oft nicht gefolgt. Gleichzeitig hat sie sich mit ihrer eigenen, unbändigen Kraft immer wieder aus allem Schlamassel heraus gekämpft: „Nie aufgeben." oder „Morgen ist ein neuer Tag!"
Und genau dadurch entwickelt ihr Buch einen eigenen, ganz besonderen Sog. Beim Lesen dachte ich: Das darf doch alles nicht wahr sein! Und dann kommt es immer noch schlimmer, dass man es eigentlich selber gar nicht mehr aushalten kann. Trotzdem las ich immer weiter. An manchen Stellen habe ich wirklich die Luft angehalten. Bis ganz zum Schluss doch die Erlösung kommt. Erst im fortgeschrittenen Alter hat Hirsch es am Ende ganz alleine aus ihrer „Lebensfalle" geschafft.
Heidi-Magdalena Hirsch hat ein Lehrbuch über Resilienz und Hoffnung geschrieben. Ihre Lebensgeschichte hat sie klar und schnörkellos erzählt, in einem sehr einfachen Stil, nur das, was passiert ist. Dabei verzichtet sie auf innere komplizierte Seelenreisen, analysiert nicht, sie berichtet nur. Und das entwickelt eine ganz besondere Wucht und eine eigene Härte.
Aufgeben gilt nicht! Heute geht es Frau Hirsch gut, sie lebt glücklich mit ihrem Partner zusammen. Allen, denen große Herausforderungen im Leben begegnen, sei dieses Buch empfohlen.
Im Folgenden lege ich allen das von mir mit Frau Hirsch geführte Interview ans Herz!
Liebe Frau Hirsch,
Ich finde es mutig von Ihnen, ihre Lebensgeschichte auf so eine Weise öffentlich gemacht zu haben. Was hat Sie zum Buch motiviert?
Das Schreiben meines Buches „Stehaufmädchen" war tatsächlich ein langer Prozess, der viel früher in meinem Kopf begann. Die Idee war schon lange da, aber immer wieder gab es Gründe, sie aufzuschieben – mal fehlte mir die Kraft, mal die Zeit, und oft wusste ich einfach nicht, wie ich anfangen sollte. Erst 2022 habe ich gespürt, dass der richtige Moment gekommen ist. Da war plötzlich eine innere Klarheit und Bereitschaft, meine Geschichte wirklich aufzuschreiben. Eine wichtige Unterstützung war dabei ein guter Freund von mir, der selbst bereits mehrere Bücher geschrieben und veröffentlicht hat. Das hat mir den entscheidenden Mut gegeben, mein Buchprojekt tatsächlich umzusetzen.
Haben Sie es für sich - also sich alles mal von der Seele - oder für andere geschrieben?
Ich habe das Buch in erster Linie für andere geschrieben – für Menschen, die Resilienz erst noch entwickeln müssen oder die sich in ähnlichen Lebenssituationen befinden oder wiederfinden. Ich wollte zeigen, dass es möglich ist, trotz schwieriger Erfahrungen immer wieder aufzustehen. Gleichzeitig war das Schreiben aber auch ein sehr persönlicher Prozess. Es war ein erneutes Aufarbeiten meiner eigenen Geschichte – geprägt durch meine Erziehung und viele prägende Erlebnisse. Bei manchen Themen kam beim Schreiben alles wieder hoch, so intensiv, als wäre es erst gestern passiert. In diesen Momenten musste ich oft pausieren – manchmal für ein oder sogar zwei Wochen, weil es einfach zu nah ging. In gewisser Weise habe ich beim Schreiben einiges noch einmal durchlebt. Aber genau das hat das Buch auch so ehrlich und authentisch gemacht.
Hatten Sie Hilfe beim Schreiben des Buches? Führten Sie vorher ein Tagebuch?
Ja, ich hatte Unterstützung beim Schreiben. Ein guter Freund von mir, der selbst bereits mehrere Bücher geschrieben hat, hat mich während des gesamten Prozesses begleitet. Er hat mich immer wieder ermutigt, dranzubleiben, und hat am Ende auch das Lektorat übernommen. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Ein Tagebuch habe ich allerdings nie geführt. Alles, was ich geschrieben habe, kam aus meiner Erinnerung – aus dem, was sich über die Jahre in mir eingeprägt hat und was mich bis heute geprägt hat.
Haben Sie den Kern ihres Handels irgendwann erkannt, also die Ursache für Ihr in Teilen auch selbstzerstörerisches Handeln? Und wenn ja, wie würden Sie diesen beschreiben?
Ja, ich habe den Kern meines Handelns irgendwann erkannt. Mir wurde klar, dass viele meiner Defizite – vor allem im Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein – ihren Ursprung in meiner Erziehung haben. Wenn ein Mensch über lange Zeit hinweg immer wieder hört: „Du kannst das nicht" oder „Das darfst du nicht", dann beginnt er irgendwann, das zu glauben. Er verliert das Vertrauen in sich selbst, traut sich nichts mehr zu und orientiert sich nur noch daran, was andere von ihm erwarten. Dieses Gefühl, nicht gut genug zu sein, zieht sich oft wie ein roter Faden durch das ganze Leben. Es fällt schwer, eigene Entscheidungen zu treffen, und selbst Lob kannnicht wirklich angenommen werden, weil innerlich sofort Zweifel entstehen, ob es überhaupt ehrlich gemeint ist. Auch positive Dinge wie Anerkennung oder Geschenke können sich dann seltsamanfühlen – fast wie eine Verpflichtung, etwas zurückgeben zu müssen, als würde man in einer Art „Schuld" stehen. Ein gesundes Selbstbewusstsein im Erwachsenenalter zu entwickeln, ist unter diesen Voraussetzungen ein langer und oft schwieriger Weg. Aber es ist möglich –und genau das wollte ich auch mit meinem Buch zeigen.
Was waren Ihre Kraftanker, und gibt es Tipps, die generell auch anderen helfen könnten?
Meine wichtigsten Kraftanker waren die Menschen um mich herum – nicht viele, aber dafür echte, verlässliche Freunde. Dieses Wissen, nicht allein zu sein, hat mir immer wieder Halt gegeben. Ein echter Wendepunkt war für mich der Humor. Er hat bei mir innerlich einen Schalter umgelegt und meine Haltung zum Leben verändert. Deshalb gebe ich diesen Tipp auch von Herzen weiter: Humor kann in allen Lebenslagen helfen. Gerade dann, wenn einem eigentlich zum Weinen ist. Es klingt zunächst widersprüchlich, aber genau in diesen Momenten liegt eine große Kraft. Wenn man es schafft, die eigene Perspektive bewusst zu verändern, wird vieles leichter. Und das lässt sich im Alltag üben – Schritt für Schritt. Mein persönliches Fazit ist: Humor verändert nicht die Situation, aber er verändert, wie wir ihr begegnen.
Wie würde Ihr Leben heute aussehen, hätten Sie es nicht „geschafft"…?
Ich kann mir vorstellen, dass ich meinen Schmerz vielleicht auf eine ungesunde Weise kompensiert hätte – zum Beispiel durch Alkohol, andere destruktive Muster oder Wege, die mir selbst und vielleicht auch anderen geschadet hätten. Umso bewusster bin ich heute darüber, welchen Weg ich gegangen bin. Ich habe es geschafft, mich meinen Herausforderungen zu stellen und daran zu wachsen. Darauf bin ich heute tatsächlich stolz: dass ich die Kraft aufgebracht habe, nicht diesen anderen, zerstörerischen Weg zu gehen – sondern meinen eigenen, heilsameren.
Kann man Ihr Buch auch kaufen?
Ja, es ist über Amazon für 15 Euro erhältlich. Sollte es dort einmal nicht verfügbar sein, sind Bestellungen ganz unkompliziert per E-Mail möglich unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! – dann kommt das Buch plus Porto direkt zu Ihnen nach Hause.
Liebe Frau Hirsch, ich danke Ihnen sehr für die Einblicke in Ihr Leben, und wünsche Ihnen alles nur erdenklich Gute!
(Auf dem Foto: Heidi-Magdalena Hirsch)