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Humor und Demenz? Ein ungewöhnliches Interview mit einer ungewöhnlichen Frau: Simone Flores arbeitet als Begegnungsclown für an Demenz erkrankte Menschen!

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Ich muss ganz ehrlich zugeben: Demenz und Humor - das schien mit schwer vorstellbar. Als ich Frau Simone Flores kennenlernte und mehr über eines ihrer Tätigkeitsfelder erfuhr, öffnete sich mein Horizont. Sie gibt, hochquliaifiziert ausgebildet, Seminare für Pflegefachkräfte, um diese ein wenig für den Humor in deren Arbeitswelt zu sensibilisieren. Hut ab für Frau Simone Flores (siehe Foto oben als Clown, Foto unten ohne Kostüm):


Liebe Frau Flores, Sie sind Fachkrankenschwester für Psychiatrie, staatl. anerk. Sozialwirtin, Qualitätsbeauftragte, Mediatorin im klinischen Bereich (Basis) und außerdem Begegnungsclown für Menschen mit Demenz, zertifizierte Lachyoga-Leiterin und Humorberaterin. Dieser Zusammenhang ließ mich aufhorchen. Aber zuerst mal ganz allgemein gefragt: Kann denn jeder von uns lernen, humorvoller zu sein, oder gibt es auch hoffnungslose Fälle? Haben Sie einen grundsätzlichen Tipp, das persönliche Humorpotenzial etwas anzuheben?

Jeder trägt Humor in sich. Humor ist ein Kraftakt. Er ist die Entscheidung, Dinge so sehen zu können, wie sie auf den ersten Blick nicht sind. Viel einfacher wäre es, sich in der Tragödie gehen zu lassen. Dass man alles immer sehr schwer und ernst sieht, so eine Geisteshaltung muss nicht sein.

Jeder Mensch kann seinen Humor trainieren. Es beginnt damit, sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen, und die eigene „Humorgesundheit" zu fördern. Das geht z. B. mit Hilfe eines Glückstagebuchs, in dem täglich etwas aufgeschrieben wird, was an diesem Tag für einen Glücksmoment gesorgt hat. Das Glücksmaß ist individuell und orientiert sich an der Persönlichkeit. In meinem Glückstagebuch steht zuweilen drin „Heute lief ein Reh über unseren Hof". Humor erfordert einen Perspektivwechsel, dass man die Dinge auch mal aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Darum ist diese einfache Übung ein guter Weg, um eine positivere Grundhaltung einzunehmen.

Ich denke, so eine Einstellung täte uns allen gut. Wenn ich Ihr herrliches Foto im Clownskostüm betrachte, bekomme ich sofort Lust, mitzumachen! Denn Humor fördert die seelische und körperliche Gesundheit, das ist unbestritten. Auch Stresssituationen lassen sich damit viel besser bewältigen, Lernen fällt leichter. Die Deutschen gelten gemeinhin als weniger humorvoll. Stimmen Sie dem zu?

Jede Kultur hat ihren eigenen Humorstil. Die Kunst besteht darin, seinen persönlichen Humor zu zeigen, womit man Aufmerksamkeit auf sich lenkt, und vielleicht auch nicht immer verstanden wird. Das ist nur was für ganz Mutige. Unsere Gesellschaft lernt noch, mutig zu sein.

Oft habe ich humorvolle Kontakte mit Fremden – z.B. beim Einkaufen - die sich für den schönen Moment bedanken. Ein bisschen an der Oberfläche kitzeln und schon klappt es – meistens.

Humor hat immer mit Grenzüberschreitungen zu tun. Wo ziehen Sie Ihre Grenze, und liegt diese Grenze bei an Demenz erkrankten anders?

Humor darf nie verletzend oder herablassend sein. Er basiert immer auf einer wohlwollenden Grundhaltung. Für unangemessene Bemerkungen und wertende Beurteilungen ist kein Platz. Da sehe ich keinen Unterschied zu Personen mit anderen Erkrankungen.

Haben Sie als Begegnungsclown für Demenzkranke bei den Demenzkranken einen anderen Humor oder sehr spezifische Humorfacetten kennengelernt?

Ich vermeide übrigens die Bezeichnung „Demenzkranke", denn es reduziert den Menschen auf die Krankheit. An Demenz Erkrankte nimmt den Menschen in den Fokus. Wir sagen ja auch nicht z.B. der Hepatitiskranke sondern der an Hepatitis Erkrankte.

Menschen mit Demenz haben oft einen kindlichen Humor, erkennen gesellschaftliche Tabus nicht unbedingt an, und spielen mit allem, was Ihnen zwischen die Finger kommt. Ganz beliebt ist das Korrigieren der Schwächen des Clowns und der dadurch entstehende Hochstatus. Spitzbübisch, „verschmitzt" und augenzwinkernd sind die Adjektive, die mir dazu einfallen. An Demenz Erkrankte nehmen kein Blatt vor den Mund, sind authentisch und ehrlich. Die Ehrlichkeit kann auf die Schwächen des Menschen hinter der roten Nase treffen – wohlgemerkt geschieht das nicht aus Bosheit. Hier gilt, es geht im Jetzt und Hier einzig um den Clown.

Sie lehren Demenzpfleger:innen und Pflegeteams, den Demenzkranken mit Humor zu begegnen. Wie kann man das unterrichten?

Im Humor liegt die Kunst zur Gelassenheit, zum souveränen Umgang mit den verschiedensten Schwächen, zu einer gewissen Leichtigkeit auch in härteren Zeiten. Ich vermittle, dass die Ausstrahlung von Leichtigkeit, wie Kinder sie haben, eine Chance ist. Wenn das „Muss" hintenangestellt wird, und aus dem Pflegealltag auch für ein paar Minuten mal eine „Spielwiese" entsteht, nimmt das enormen Druck – bei beiden interagierenden Parteien. Der erste Schritt zur Umsetzung ist eine gestärkte Achtsamkeit auf sich selbst, die Bewohner:innen und das Umfeld. Das Training fokussiert sich somit auf Achtsamkeit.

Für pflegende Angehörige wird das eher überraschend klingen. Ich verstehe, dass beruflich Pflegende zur Entlastung in ihrem Arbeitsumfeld auch einmal spielerisch agieren können. Vielleicht sollten wir als wichtige Anregung von Ihnen mitnehmen, dass wir als pflegende Angehörige hin und wieder manche Situationen nicht immer zu ernst nehmen. Aber wie sieht das in der Praxis aus? Wie kann man Ihre ungewöhnliche Arbeit praktisch und Ihr besonderes Engagement diesbezüglich auch für Laien verständlich machen?

Einen Zugang zu verwirrten und dementen Menschen gewinnt man nur mit einem wertschätzenden Umgang, der die Gefühle und Lebenswelten von Patient:innen akzeptiert und als wahr annimmt. Mit den Besuchen verbessern Clowns das Wohlbefinden der Bewohner:innen, unter Wahrung der persönlichen Würde, bauen Stress ab und kommunizieren auf Herzensebene. Sie agieren spürbar ehrlich, bleiben authentisch, während sie einfühlend begleiten und die Menschen so annehmen, wie sie sind.

Clowns nehmen sich selbst zurück, widersprechen und korrigieren nicht. Sie begegnen auf Augenhöhe und suchen den Blickkontakt, auch wenn dies bedeutet, körperliche Verrenkungen in Kauf nehmen zu müssen.

Denn durch Spiegelung der Körpersprache erreichen Clowns den Zugang zum Menschen. Beziehungen werden dann überhaupt erst ermöglicht. Das Verständnis dafür, welches Gefühl hinter einer Handlung steht, sorgt für eine authentische Begegnung.

Selbst wenn die Füße nicht reinpassen, gehen wir in den ver-rückten Schuhen der Demenzkranken, und steigen im Bedarfsfall in deren verwirrte Sprache ein, indem wir passende Worte und Redensarten benutzen.

Das ist ein sehr schönes Bild, wenn ein Clown in die Schuhe der Patient:innen steigt, oder es versucht. Zum Schluss ein persönlicher Tipp von Ihnen: Wie könnten wir alle das Älterwerden etwas humorvoller nehmen?

Das Älterwerden hat einen ganz großen Vorteil: Man ist nicht jung gestorben. Dafür sollte man dankbar sein, und sich selbst nicht zu ernst nehmen.

Das ist ein tolles Statement!

Liebe Frau Flores, ganz herzlichen Dank für das sehr inspirierende Gespräch!

Der rote Teppich für meinen dritten kostenfreien O...
 

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