Ich habe sehr junge Eltern, manchmal habe ich das Gefühl, die beiden überleben mich...
:-)
Mein Vater ist auch 88 Jahre. Aber beide sind sehr pflegebedürftig und es stehen Veränderungen an.
Mein Vater liegt heute im Krankenhaus, die beiden sind jetzt 67 Jahre verheiratet. Meine Mutter feiert ihren Geburtstag und den Hochzeitstag alleine, ohne ihn. Wir können sie nicht hinbringen, weil sie weder Laufen noch Stehen kann. 47 Stufen trennen meine Mutter von der Strasse wegen eines Hanggrundstücks.
Die Schwägerin meiner Mutter wurde gestern am Herzen operiert.
Die Eltern meiner Schwägerin sind auch im Krankenhaus.
So sieht der Alltag der Babyboomer aus.
Meine Eltern zu begleiten ist eine schwere Aufgabe. Die Pflegesituation frisst einen auf mit allem, was dazugehört. Allein nur die normale Versorgung zu gewährleisten erfordert immensen Einsatz. Dann kommt die Administration, Gespräche mit Behörden, Ärzten, Krankenkasse, Amtsgericht.
Außerdem wäre eine schöne Unterhaltung wohltuend und viel Therapie wie Ergotherapie, Sprachtherapie, Krankengymnastik und abwechslungsreiche Mahlzeiten, frisch gekocht.
Außerdem leiden beide unter ihren schweren Behinderungen, wie tröstet man, was sagt man, vor allem zu einem demenzkranken Vater, der unter Aphasie leidet und die richtigen Worte einfach nicht mehr findet. Und vieles nicht mehr versteht, manchmal ganz klar und manchmal verwirrt ist.
Einsamkeit hat viele Gesichter, und meint nicht nur, dass niemand da ist. Es ist immer jemand da. Trotzdem denke ich, sind beide auch sehr einsam.
Wir können jetzt nicht mehr alles richtig machen. Wenn man das nicht akzeptiert, ist man verloren.
Aber man kann für sich selber Vorsorge treffen, und zwar besser, als es die eigenen Eltern gemacht haben.
Babyboomer lernen so dazu. Hoffen wir das Beste!